Betriebliche Gesundheitsförderung: BGM Maßnahmen umsetzen

Betriebliche Gesundheitsförderung - BGM Maßnahmen umsetzen

Die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) ist eine Teildisziplin des Gesundheitsmanagements und umfasst ein ganzheitliches Konzept mit Maßnahmen zur Verbesserung der Mitarbeitergesundheit, zur Vermeidung von Krankheiten und zur Gestaltung der Work-Life-Balance.

Das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) beschäftigt sich mit der strategischen Planung und der Konzeption von Strukturen und Prozessen. Bei der BGF geht es im Unterschied dazu um Methoden, Inhalte und Handlungsfelder.

Was ist Gesundheitsförderung?

Die WHO definiert Gesundheitsförderung wie folgt: „Gesundheitsförderung ist ein Prozess, der den Menschen mehr Entscheidungen über ihre Gesundheit ermöglicht und dadurch die Gesundheit verbessern kann.“

In der betrieblichen Gesundheitsförderung kann dieses Ziel durch eine gesundheitsfreundliche Gestaltung des Arbeitsumfelds und eine positive Veränderung des individuellen Gesundheitsverhaltens des einzelnen Mitarbeiters erreicht werden.

Für den betrieblichen Kontext wird aus der WHO Definition ebenfalls deutlich: Ohne die aktive Partizipation der Mitarbeiter ist keine nachhaltige Gesundheitsförderung möglich.

BGF Konzept: Ansatzpunkte für Gesundheitsförderung

Schipperges (1982) beschreibt Gesundheit wie folgt: „Gesundheit ist kein Zustand, sondern eine Verfasstheit, kein Ideal und nicht einmal ein Ziel. Gesundheit ist ein Weg, der sich bildet, wenn man ihn geht.“

Neben der Motivation zur Teilnahme an entsprechenden Maßnahmen steht daher die Vermittlung von gesundheitlicher Selbstwirksamkeitskompetenz an erster Stelle. Selbstwirksamkeit zielt darauf ab, den Mitarbeitern aufzuzeigen, wie sie sich selbst aktiv gesund halten können („Empowerment“).

Denn Krankheit ist kein Zustand, der ausschließlich auf äußeren Umständen beruht, sondern wird auch vom Verhalten des Menschen beeinflusst.

Ansatzpunkt 1: Individuelles Gesundheitsverhalten

Ihre Mitarbeiter verbringen einen erheblichen Teil ihres Lebens am Arbeitsplatz und bringen in der Regel auch sehr unterschiedliche Voraussetzungen hinsichtlich vorhandener Gesundheitsressourcen mit.

Während einige Mitarbeiter in Ihrer Freizeit regelmäßig Sport betreiben und sich alltäglich gesund ernähren, ist das Thema Gesundheit bei anderen Mitarbeitern kaum im Bewusstsein verankert.

Dementsprechend denken manche Mitarbeiter überhaupt nicht darüber nach, welche Verhaltensweisen einen negativen Einfluss auf die Gesundheit haben können, oder es fehlt schlichtweg das Wissen, mit welchen Verhaltensweisen die Gesundheit positiv beeinflusst werden kann.

Hier kann betriebliche Gesundheitsförderung ansetzen, indem sie Hintergrundwissen, Handlungsfelder und Effektwissen alltagsnah und anwendbar vermittelt.

Ansatzpunkt 2: Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz

Gesundheitsförderung im Sinne des sogenannten Setting-Ansatzes setzt bei den Umweltfaktoren an, die die Gesundheit aller beteiligten Personengruppen in einem bestimmten sozialen System beeinflussen.

Im Kontext der beruflichen Tätigkeit sehen sich die Mitarbeiter Belastungen ausgesetzt, die sie nicht dauerhaft ohne schädlichen Einfluss auf die Gesundheit bewältigen können.

Die Anforderungen der modernen Arbeitswelt sind im Gegensatz zu früher weniger durch körperliche Belastungen, sondern durch mangelnde Bewegung, Stress und psychische Risikofaktoren gekennzeichnet.

Zu den 10 stärksten Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz zählen laut einer Studie der AOK (2013):

  1. Ständige Aufmerksamkeit und Konzentration
  2. Termin- und Leistungsdruck
  3. Störungen und Unterbrechungen
  4. Hohes Arbeitstempo
  5. Lärm
  6. Hohe Verantwortung
  7. Zu große Arbeitsmengen
  8. Erforderliche Genauigkeit
  9. Schlechte Belüftung / Klimaanlage
  10. Ständiges Sitzen

Besonders im Hinblick auf den demografischen Wandel wird die Gesundheitsförderung für Unternehmen immer wichtiger, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Auch jüngere Arbeitnehmer leiden zunehmend in jungen Jahren unter den Belastungen der modernen Arbeitswelt.

Als Entscheider im Unternehmen liegt es in Ihrer Macht, die Belastungsfaktoren so gut es geht zu reduzieren, gesundheitsfördernde Rahmenbedingungen zu schaffen und den Mitarbeitern Wege aufzuzeigen, wie sie beruflicher Belastung ohne negativen Einfluss auf ihre Gesundheit standhalten können.

Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung

Wie in unserem Praxisleitfaden zum betrieblichen Gesundheitsmanagement beschrieben, müssen gesundheitsfördernde Maßnahmen zur Strategie des BGM passen und geeignet sein, die gesetzten operativen Ziele zu erreichen.

Die Selektion von Maßnahmen sollte daher auf einer Analyse der vorhandenen Gesundheitsressourcen im Unternehmen und jedes einzelnen Mitarbeiters beruhen um gezielt Handlungsschwerpunkte zu identifizieren.

Prävention (Verhalten & Verhältnisse)

Klassisch werden unter dem Begriff der Prävention solche Maßnahmen verstanden, die darauf abzielen, Krankheiten frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Nach einem modernen Verständnis sind die Ziele von Prävention deckungsgleich mit dem Ziel der Gesundheitsförderung:

Demnach wird Gesundheitsvorsorge nicht mehr ausschließlich als reine Vermeidungsstrategie, sondern vielmehr als Promotionsstrategie begriffen:
Umwelt und Verhalten sollen so gestaltet bzw. beeinflusst werden, dass die Menschen durch Gesundheitsressourcen Vitalität und Wohlbefinden im alltäglichen Leben erfahren.

In diesem Sinne zielen die beiden Bereiche Verhaltensprävention und Verhältnisprävention, darauf ab:

  • das individuelle Gesundheitsverhalten von Mitarbeitern zu fördern
  • die Arbeitsumgebung gesundheitsfreundlich zu gestalten und
  • belastende Arbeitsbedingungen abzubauen

Die Handlungsfelder der Prävention sind:

  • Bewegungsgewohnheiten
  • Ernährung
  • Stressbewältigung & psychische Belastung
  • Suchtmittelkonsum
  • Gestaltung des Arbeitsplatzes und der Arbeitsprozesse

Alle konkreten Maßnahmen und Beispiele zu den Schwerpunkthemen stellen wir im Leitfaden Prävention ausführlich vor. In diesem Artikel gehen wir ebenfalls ausführlich auf die steuerlichen Aspekte und die Refinanzierbarkeit von Gesundheitsmaßnahmen durch die Krankenkassen sowie alle Einzelheiten zum Präventionsgesetz ein.

Work-Life-Balance

Der Beruf nimmt immer Lebenszeit in Anspruch, bezogen auf die physische Anwesenheit am Arbeitsplatz und zunehmend auch die mentale Bindung an die berufliche Tätigkeit in der vermeintlichen Freizeit.

Die gestiegenen Anforderungen und Erwartungen an den modernen Arbeitnehmer drängen den Freiraum im Privatleben zurück, was sich auch auf die mentale und körperliche Gesundheit auswirkt.

Die Gestaltung der Work-Life-Balance zielt darauf ab, das Verhältnis von Arbeits- und Privatleben wortwörtlich in ein gesundes Gleichgewicht zu bringen.

Gesundheitsfördernde Maßnahmen in diesem Kontext reichen von der Gestaltung der Länge und Flexibilität der Arbeitszeiten, über die Wahl des Arbeitsortes bis hin zur Anforderung an die Erreichbarkeit der Mitarbeiter außerhalb der Arbeitszeiten. Alles dazu in unserem Artikel zum Thema Work-Life-Balance.

Gesundheitstag

Maßnahmen der BGF können als dauerhaftes Angebot oder als punktuelle Intervention umgesetzt werden. Mit einem speziellen Thementag kann das Thema Gesundheit sehr konzentriert in das Bewusstsein der Belegschaft gerückt werden.

Ein vielfältiges Angebot an Impulsvorträgen und Mitmachangeboten lädt die Mitarbeiter dazu ein über den Tellerrand zu schauen und neue Ideen für eine gesunde Lebensführung zu erkunden. Wie Sie einen erfolgreichen Gesundheitstag in Ihrem Unternehmen organisieren, erfahren Sie in unserem Praxisleitfaden.

Qualitätskriterien in der betrieblichen Gesundheitsförderung

Spätestens jetzt sollte klar sein: in der modernen BGF reicht ein Obstkorb als einzelne Maßnahme für die Gesundheitsförderung der Mitarbeiter längst nicht aus.

Doch wie zeichnet sich Qualität in der Gesundheitsförderung aus?

Die Luxemburger Deklaration, die im Jahr 1997 erstmalig vom Europäische Netzwerk für Betriebliche Gesundheitsförderung (ENWHP) verabschiedet wurde, setzt bis heute Maßstäbe für die Erhaltung von „gesunden Beschäftigte in gesunden Unternehmen“.

Folgende strategische Qualitätsmerkmale lassen sich daraus ableiten:

  • Partizipation: der gesamten Belegschaft
  • Integration: BGF wird bei allen wichtigen Entscheidungen im Unternehmen berücksichtigt
  • Systematik: Alle Maßnahmen sind in einen zielorientierten Prozess eingebunden, bestehend aus Bedarfsanalyse, Priorisierung, Planung, Implementierung und Evaluation
  • Ganzheitlichkeit: BGF schließt verhaltens- und verhältnispräventive Maßnahmen ein

Eine Übersicht über operative Qualitätskriterien bietet die folgende Checkliste:

  1. Gemeinsames Gesundheitsverständnis etabliert?
  2. Bestandsaufnahme aller vorhandener Gesundheitsressourcen durchgeführt?
  3. Bedarf für gesundheitsfördernde Maßnahmen ermittelt? (Soll-Ist Analyse)
  4. Zielgruppen im Unternehmen identifiziert?
  5. Charakteristika (Bedürfnisse, Stärken, Schwächen) der Zielgruppe identifiziert?
  6. Zielgruppe in der Planung und Umsetzung der Maßnahmen eingebunden?
  7. Klare, messbare Ziele für den Erfolg der Maßnahmen definiert?
  8. Geeignetes Konzept mit Maßnahmen definiert?
  9. Verhaltens- und Verhältnisprävention bedacht?
  10. Hürden für die Partizipation durch die Mitarbeiter erkannt und minimiert?
  11. Selbstwirksamkeit (Empowerment) ist zentraler Bestandteil?
  12. Verantwortlichkeiten für die Durchführung der Maßnahmen (intern/extern) geklärt und geeignete Qualifikation sichergestellt?
  13. Strukturelle und organisatorische Rahmenbedingungen gegeben?
  14. Maßnahmen passen in das Budget?
  15. Geeignete Messinstrumente für die Erhebung von Prozesskennzahlen vorhanden?
  16. Geeignete Messinstrumente für die Erhebung von Erfolgskennzahlen vorhanden?
  17. Der Zielerreichungsgrad wird bestimmt und bewertet (Effektivität)
  18. Prozesse werden hinterfragt, Kosten- und Nutzen gegenübergestellt (Effizienz)
  19. Nachhaltigkeit der Maßnahmen wird sichergestellt
  20. Erfolge werden intern und ggf. extern kommuniziert (Öffentlichkeitsarbeit)
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