Gesundheitszirkel und der Arbeitskreis Gesundheit im BGM

Gesundheitszirkel und der Arbeitskreis Gesundheit im BGM

Gesundheitsmanagement und -förderung im Unternehmen sind Aufgaben, die nicht von einer einzelnen Person alleine mit Leben gefüllt werden können.

Um ein Gesundheitsprogramm erfolgreich zu planen und umzusetzen werden kooperative Instanzen benötigt, in der alle Interessenvertreter zugegen sind und Entscheidungen im Dialog gemeinsam treffen: Der Gesundheitszirkel und der Arbeitskreis Gesundheit.

Definition I: Was ist ein Arbeitskreis Gesundheit?

Der Arbeitskreis Gesundheit (auch Steuerungskreis) ist ein zentrales Steuerungsgremium im betrieblichen Gesundheitsmanagement und setzt sich aus verschiedenen Interessenvertretern wie Personalmanagern, Betriebs-/Personalrat und Betriebsmedizinern zusammen, mit dem gemeinsamen Ziel, über die Planung und Umsetzung von gesundheitsfördernden Maßnahmen im Unternehmen zu entscheiden.

Definition II: Was ist ein Gesundheitszirkel?

Gesundheitszirkel im betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) sind temporär, aber durchaus regelmäßig, stattfindende innerbetriebliche Gesprächskreise, in denen Verantwortliche des Gesundheitsmanagements gemeinsam mit Mitarbeitern neue Ideen zur Planung und Umsetzung von gesundheitsfördernden Maßnahmen entwickeln.

Ziele und Aufgaben des Arbeitskreises Gesundheit und des Gesundheitszirkel

Während im Arbeitskreis Gesundheit die Rahmenbedingungen für das betriebliche Gesundheitsmanagement festgelegt werden, geht es in Gesundheitszirkeln verstärkt um die operative Umsetzung von Maßnahmen, sowie Feedback zu bereits durchgeführten Maßnahmen und deren Auswirkung auf die Belegschaft.

Aufgaben für den Arbeitskreis Gesundheit sind:

  • Beschluss von Rahmenbedingungen und Zielen des BGM
  • Analyse des Status Quo
  • Erstellung eines Konzepts für das Betriebliche Gesundheitsmanagement
  • Beschluss von Maßnahmen und Evaluierung
  • Kommunikation von Maßnahmen und Ergebnissen im Unternehmen
  • Koordination von Gesundheitszirkeln

Aufgaben von Gesundheitszirkel sind:

  • Kooperativer Austausch von Erfahrungen zwischen Mitarbeitern und Experten
  • Alle Interessensgruppen an einen Tisch bringen und in den BGM-Prozess einbinden
  • Identifikation aller gesundheitlichen Risikofaktoren und Gesundheitsressourcen am Arbeitsplatz
  • Entwicklung von konkreten Lösungsansetzen und Prozessoptimierung
  • Optimierung interner Kommunikation

Modelle für den Arbeitskreis Gesundheit und Gesundheitszirkel

Im Arbeitskreis Gesundheit treffen sich alle Führungskräfte mit Bezug zur Gesundheit der Mitarbeiter sowie einzelne Arbeitnehmervertreter unter der Aufsicht eines Moderators.

Für die Gestaltung von Gesundheitszirkeln werden in der Praxis zwei Modelle angewandt, die sich im Detail leicht unterscheiden.

1. Das Berliner Modell

In Gesundheitszirkeln kommt eine Delegation repräsentativer Mitarbeiter mit Vertretern aus dem Arbeitskreis Gesundheit zusammen um unter Aufsicht eines Moderators über gesundheitsbezogene Themen zu diskutieren.

Wichtigstes Merkmal eines Gesundheitszirkels nach dem Berliner Modell ist, dass alle Beteiligten mit Ausnahme der Gesundheitsexperten einer Hierarchieebene angehören. Vorgesetzte der Beschäftigten sind nicht anwesend.

2. Das Düsseldorfer Modell

Das an der Universität Düsseldorf entwickelte Modell setzt im Gegensatz zum Berliner Modell auf eine Beteiligung der direkten Vorgesetzen.

In der folgenden Tabelle werden die Vor- und Nachteile beider Modelle gegenübergestellt:

Modell

Vorteil

Nachteil

Berliner Modell

Mitarbeiter können Probleme offen ansprechen

Kein Entscheidungsträger anwesend, wodurch Zeitverzögerungen resultieren

Düsseldorfer Modell

Schnelle Umsetzung von gemeinsam erarbeiteten Entscheidungen

Mitarbeiter sind möglicherweise weniger bereit, Probleme und Belastungen offen anzusprechen

Gesundheitszirkel moderieren

Typischerweise werden Gesundheitszirkel durch einen Moderator oder eine Moderatorin betreut.

Der Moderator übernimmt dabei folgende Aufgaben:

  1. Tagesordnung festlegen
  2. Diskussion anregen
  3. Fairness in der Diskussion sicherstellen & Ängste abbauen
  4. Dokumentation von Ergebnissen
  5. Ergebnistransfer in den Steuerungskreis

Die wichtigste Anforderung an den Moderator ist seine Neutralität. Keine anwesende Person darf bevorteilt werden. Auch darf der Moderator nicht vorschnell eine Position annehmen, damit ein konstruktiver Diskurs zustande kommen kann.

Er muss den Mitarbeitern vermitteln, dass es keine Tabu Themen gibt und alles offen angesprochen werden kann. Nur so können auch wirklich alle gesundheitsbeeinträchtigenden Arbeitsfaktoren identifiziert werden.

Letzten Endes stellt sich noch die Frage, ob interner oder ein externer Moderator vorzuziehen ist.

Ein interner Moderator ist den anderen Beteiligten persönlich näher, was sowohl ein Vorteil als auch ein Nachteil sein kann. Er kennt den das Unternehmen und damit jedwede Interna und Probleme. Wenn jedoch die Neutralität in Frage gestellt wird, birgt dies ein großes Konfliktpotenzial.

Ein externer Moderator im Gegensatz muss sich erst mit den innerbetrieblichen Strukturen und Prozesse vertraut machen. Dafür ist er nicht betriebsblind, hat die nötige professionelle Distanz zu allen Beteiligten und kann auf Best-Practices aus anderen Unternehmen zurückgreifen.

Ablauf eines Gesundheitszirkels

Der Ablauf für die Durchführung eines Gesundheitszirkels kann in 7 Schritte unterteilt werden:

1. Vorbereitung & Einleitung

Vor Beginn ist es die Aufgabe des Moderators, die Agenda für den Gesundheitszirkel zu planen und alle Beteiligten rechtzeitig über Ziele und Vorgehensweisen im Zirkel zu informieren.
Bereits im Vorfeld können die Teilnehmer dazu angeregt werden, sich über Beschwerden im Arbeitsalltag und gesundheitliche Risiken Gedanken zu machen.

2. Gefährdungen ermitteln

Zu Beginn der ersten Sitzung des Zirkels werden die Ergebnisse dieser Befragung durch den Moderator vorgestellt und gemeinsam in der Runde diskutiert. Das Ziel ist, eine vollständige Aufstellung aller die Gesundheit möglicherweise beeinträchtigenden Arbeitsanforderungen zusammenzutragen.

3. Gefährdungen bewerten & Ziele ableiten

Im Anschluss wird dann gemeinschaftlich analysiert, welche Beeinträchtigungen besonders dramatisch sind und welche Maßnahmen priorisiert werden sollten.

4. Erfolge zuvor durchgeführter Maßnahmen bewerten

Wenn in der Vergangenheit bereits Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung durchgeführt wurden, sollte an dieser Stelle eruiert werden, ob und in welchem Grad sich die Maßnahmen im Hinblick auf den Abbau von Gefährdungen und die Schaffung positiver Gesundheitsressourcen ausgewirkt haben.

5. Ideen für neue Maßnahmen generieren

Im Folgenden werden in der Runde Ideen für neue Maßnahmen generiert.
Für den Kreativitätsfluss ist es förderlich, wenn die Ideen nicht in einem Zug bewertet, sondern zunächst nur gesammelt werden. So werden die Teilnehmer nicht ausgebremst und sind frei, alle ihre Ideen ungehemmt zu äußern.

Erst im Anschluss werden die Maßnahmen dann anhand ihrer Wichtigkeit, dem geschätzten positiven Einfluss und den erforderlichen Aufwendungen bewertet.

6. Umsetzung der Maßnahmen planen

Nachfolgend werden nächste Schritte besprochen und eine ungefähre Zeitleiste für die geplante Umsetzung festgelegt.

7. Ergebnisse dokumentieren

Abschließend werden die Ergebnisse dokumentiert. Nicht immer sind alle Entscheidungsträger anwesend, sodass das letzte Wort über den Beschluss von Maßnahmen erst im Arbeitskreis Gesundheit gesprochen wird.

Je nach Art muss der BGM-Beauftragte die Maßnahmen außerdem erst noch auf Durchführbarkeit prüfen. Ergebnisse dieser ausführlichen Analyse können gegenüber den anderen Teilnehmern in einem folgenden Zirkel kommuniziert werden.


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