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Gesundheitszirkel und der Arbeitskreis Gesundheit im BGM

Aktualisiert am: 17.07.2020

Gesundheitszirkel und der Arbeitskreis Gesundheit im BGM

Gesundheitsmanagement und -f├Ârderung im Unternehmen sind Aufgaben, die nicht von einer einzelnen Person alleine mit Leben gef├╝llt werden k├Ânnen. Um ein Gesundheitsprogramm erfolgreich zu planen und umzusetzen werden kooperative Instanzen ben├Âtigt, in der alle Interessenvertreter zugegen sind und Entscheidungen im Dialog gemeinsam treffen: Der Gesundheitszirkel und der Arbeitskreis Gesundheit.

1 Definition I: Was ist ein Arbeitskreis Gesundheit?

Der Arbeitskreis Gesundheit (auch Steuerungskreis) ist ein zentrales Steuerungsgremium im betrieblichen Gesundheitsmanagement und setzt sich aus verschiedenen Interessenvertretern wie Personalmanagern, Betriebs-/Personalrat und Betriebsmedizinern zusammen, mit dem gemeinsamen Ziel, ├╝ber die Planung und Umsetzung von gesundheitsf├Ârdernden Ma├čnahmen im Unternehmen zu entscheiden.

2 Definition II: Was ist ein Gesundheitszirkel?

Gesundheitszirkel im betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) sind tempor├Ąr, aber durchaus regelm├Ą├čig, stattfindende innerbetriebliche Gespr├Ąchskreise, in denen Verantwortliche des Gesundheitsmanagements gemeinsam mit Mitarbeitern neue Ideen zur Planung und Umsetzung von gesundheitsf├Ârdernden Ma├čnahmen entwickeln.

3 Ziele und Aufgaben des Arbeitskreises Gesundheit und des Gesundheitszirkel

W├Ąhrend im Arbeitskreis Gesundheit die Rahmenbedingungen f├╝r das betriebliche Gesundheitsmanagement festgelegt werden, geht es in Gesundheitszirkeln verst├Ąrkt um die operative Umsetzung von Ma├čnahmen, sowie Feedback zu bereits durchgef├╝hrten Ma├čnahmen und deren Auswirkung auf die Belegschaft.

Aufgaben f├╝r den Arbeitskreis Gesundheit sind:

  • Beschluss von Rahmenbedingungen und Zielen des BGM
  • Analyse des Status Quo
  • Erstellung eines Konzepts f├╝r das Betriebliche Gesundheitsmanagement
  • Beschluss von Ma├čnahmen und Evaluierung
  • Kommunikation von Ma├čnahmen und Ergebnissen im Unternehmen
  • Koordination von Gesundheitszirkeln

Aufgaben von Gesundheitszirkel sind:

  • Kooperativer Austausch von Erfahrungen zwischen Mitarbeitern und Experten
  • Alle Interessensgruppen an einen Tisch bringen und in den BGM-Prozess einbinden
  • Identifikation aller gesundheitlichen Risikofaktoren und Gesundheitsressourcen am Arbeitsplatz
  • Entwicklung von konkreten L├Âsungsansetzen und Prozessoptimierung
  • Optimierung interner Kommunikation

4 Modelle f├╝r den Arbeitskreis Gesundheit und Gesundheitszirkel

Im Arbeitskreis Gesundheit treffen sich alle F├╝hrungskr├Ąfte mit Bezug zur Gesundheit der Mitarbeiter sowie einzelne Arbeitnehmervertreter unter der Aufsicht eines Moderators.

F├╝r die Gestaltung von Gesundheitszirkeln werden in der Praxis zwei Modelle angewandt, die sich im Detail leicht unterscheiden.

4.1 Das Berliner Modell

In Gesundheitszirkeln kommt eine Delegation repr├Ąsentativer Mitarbeiter mit Vertretern aus dem Arbeitskreis Gesundheit zusammen um unter Aufsicht eines Moderators ├╝ber gesundheitsbezogene Themen zu diskutieren.

Wichtigstes Merkmal eines Gesundheitszirkels nach dem Berliner Modell ist, dass alle Beteiligten mit Ausnahme der Gesundheitsexperten einer Hierarchieebene angeh├Âren. Vorgesetzte der Besch├Ąftigten sind nicht anwesend.

4.2 Das D├╝sseldorfer Modell

Das an der Universit├Ąt D├╝sseldorf entwickelte Modell setzt im Gegensatz zum Berliner Modell auf eine Beteiligung der direkten Vorgesetzen.

In der folgenden Tabelle werden die Vor- und Nachteile beider Modelle gegen├╝bergestellt:

ModellVorteilNachteil
Berliner ModellMitarbeiter k├Ânnen Probleme offen ansprechenKein Entscheidungstr├Ąger anwesend, wodurch Zeitverz├Âgerungen resultieren
D├╝sseldorfer ModellSchnelle Umsetzung von gemeinsam erarbeiteten EntscheidungenMitarbeiter sind m├Âglicherweise weniger bereit, Probleme und Belastungen offen anzusprechen

5 Gesundheitszirkel moderieren

Typischerweise werden Gesundheitszirkel durch einen Moderator oder eine Moderatorin betreut.

Der Moderator ├╝bernimmt dabei folgende Aufgaben:

  1. Tagesordnung festlegen
  2. Diskussion anregen
  3. Fairness in der Diskussion sicherstellen & Ängste abbauen
  4. Dokumentation von Ergebnissen
  5. Ergebnistransfer in den Steuerungskreis

Die wichtigste Anforderung an den Moderator ist seine Neutralit├Ąt. Keine anwesende Person darf bevorteilt werden. Zudem sollte auch der Moderator nicht vorschnell eine Position einnehmen, damit ein konstruktiver Diskurs zustande kommen kann.

Er muss den Mitarbeitern vermitteln, dass es keine Tabu Themen gibt und alles offen angesprochen werden kann. Nur so k├Ânnen auch wirklich alle gesundheitsbeeintr├Ąchtigenden Arbeitsfaktoren identifiziert werden.

Letzten Endes stellt sich noch die Frage, ob ein interner oder externer Moderator vorzuziehen ist.

Ein interner Moderator ist den anderen Beteiligten pers├Ânlich n├Ąher, was sowohl ein Vorteil als auch ein Nachteil sein kann. Er kennt den das Unternehmen und damit die Interna und Probleme. Wenn jedoch die Neutralit├Ąt in Frage gestellt wird, birgt dies ein gro├čes Konfliktpotenzial.

Ein externer Moderator im Gegensatz muss sich erst mit den innerbetrieblichen Strukturen und Prozesse vertraut machen. Daf├╝r ist er nicht betriebsblind, hat die n├Âtige professionelle Distanz zu allen Beteiligten und kann auf Best-Practices aus anderen Unternehmen zur├╝ckgreifen.

6 Ablauf eines Gesundheitszirkels

Der Ablauf f├╝r die Durchf├╝hrung eines Gesundheitszirkels kann in 7 Schritte unterteilt werden:

6.1 Vorbereitung & Einleitung

Vor Beginn ist es die Aufgabe des Moderators, die Agenda f├╝r den Gesundheitszirkel zu planen und alle Beteiligten rechtzeitig ├╝ber Ziele und Vorgehensweisen im Zirkel zu informieren.
Bereits im Vorfeld k├Ânnen die Teilnehmer dazu angeregt werden, sich ├╝ber Beschwerden im Arbeitsalltag und gesundheitliche Risiken Gedanken zu machen.

6.2 Gef├Ąhrdungen ermitteln

Zu Beginn der ersten Sitzung des Zirkels werden die Ergebnisse dieser Befragung durch den Moderator vorgestellt und gemeinsam in der Runde diskutiert. Das Ziel ist, eine vollst├Ąndige Aufstellung aller die Gesundheit m├Âglicherweise beeintr├Ąchtigenden Arbeitsanforderungen zusammenzutragen.

6.3 Gef├Ąhrdungen bewerten & Ziele ableiten

Im Anschluss wird dann gemeinschaftlich analysiert, welche Beeintr├Ąchtigungen besonders dramatisch sind und welche Ma├čnahmen priorisiert werden sollten.

6.4 Erfolge zuvor durchgef├╝hrter Ma├čnahmen bewerten

Wenn in der Vergangenheit bereits Ma├čnahmen der betrieblichen Gesundheitsf├Ârderung durchgef├╝hrt wurden, sollte an dieser Stelle eruiert werden, ob und in welchem Grad sich die Ma├čnahmen im Hinblick auf den Abbau von Gef├Ąhrdungen und die Schaffung positiver Gesundheitsressourcen ausgewirkt haben.

6.5 Ideen f├╝r neue Ma├čnahmen generieren

Im Folgenden werden in der Runde Ideen f├╝r neue Ma├čnahmen generiert.
F├╝r den Kreativit├Ątsfluss ist es f├Ârderlich, wenn die Ideen nicht in einem Zug bewertet, sondern zun├Ąchst nur gesammelt werden. So werden die Teilnehmer nicht ausgebremst und sind frei, alle ihre Ideen ungehemmt zu ├Ąu├čern.

Erst im Anschluss werden die Ma├čnahmen dann anhand ihrer Wichtigkeit, dem gesch├Ątzten positiven Einfluss und den erforderlichen Aufwendungen bewertet.

6.6 Umsetzung der Ma├čnahmen planen

Nachfolgend werden n├Ąchste Schritte besprochen und eine ungef├Ąhre Zeitleiste f├╝r die geplante Umsetzung festgelegt.

6.7 Ergebnisse dokumentieren

Abschlie├čend werden die Ergebnisse dokumentiert. Nicht immer sind alle Entscheidungstr├Ąger anwesend, sodass das letzte Wort ├╝ber den Beschluss von Ma├čnahmen erst im Arbeitskreis Gesundheit gesprochen wird.

Je nach Art muss der BGM-Beauftragte die Ma├čnahmen au├čerdem erst noch auf Durchf├╝hrbarkeit pr├╝fen. Ergebnisse dieser ausf├╝hrlichen Analyse k├Ânnen gegen├╝ber den anderen Teilnehmern in einem folgenden Zirkel kommuniziert werden.

Wenn Sie diese Schritte einhalten, dann sollten einem erfolgreichen Gesundheitszirkel und Arbeitskreis Gesundheit nichts mehr im Wege stehen.

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1 Comment

  • Lisa Weber
    25. April 2019 um 12:33

    Toller Beitrag! Gerade erst ├╝ber Google gefunden.

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